Internationaler Frauentag 2017 – Warum ein 100.000 PS-starker Motor ideal für Frauen ist

Sie arbeiten mit Motoren, die die Höhe eines 5-geschossiges Hochhauses und an die 100.000 PS haben können.

Und sie schätzen die vielfältigen und spannenden Möglichkeiten, die ihnen ihr Arbeitsplatz bietet: die Maschinenbautechnikerinnen, Technischen Physikerinnen und Forscherinnen am LEC in Graz.

Im Bereich der Großmotorentechnik ist das Large Engines Competence Center (LEC) Österreichs führende Forschungseinrichtung, weltweit zählt es zu den besten 3. Doch, „um Spitzenforschung auf höchstem Niveau betreiben zu können, die nachhaltig dazu beiträgt, die Umwelt auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, braucht es kluge und engagierte Köpfe mit viel technischem Know-how und einer besonders großen Affinität zu Motoren“, betont Geschäftsführer Andreas Wimmer. Dazu wünscht sich das LEC vor allem noch mehr weibliche Kompetenz im Team.

  • Wimmer: „Ich halte es für extrem wichtig, die weibliche und auch die männliche Sicht auf unterschiedliche technische Fragestellungen, mit denen wir uns hier befassen, miteinzubeziehen. Aus Erfahrung am LEC, aber auch von meiner Lehrtätigkeit an der TU Graz weiß ich, dass sich daraus immer spannende und interessante neue Aspekte ergeben können, die zu großartigen und innovativen Lösungen führen.“
  • „Ein höherer Frauenanteil würde sowohl für unser Team am LEC aber auch für die technischen Studienfächer an den Universitäten und Hochschulen sicherlich eine Bereicherung sein.”
Foto: v.l. Doris Schadler (Research Engineer am LEC), Andreas Wimmer (LEC-Geschäftsführer), Nina Simon (Marketing LEC), Claudia Schubert-Zollinger (Maschinenbautechnikerin am LEC) Fotocredit: LEC GmbH

Foto:
v.l. Doris Schadler (Research Engineer am LEC), Andreas Wimmer (LEC-Geschäftsführer), Nina Simon (Marketing LEC), Claudia Schubert-Zollinger (Maschinenbautechnikerin am LEC)
Fotocredit: LEC GmbH

Andere Perspektiven und Blickwinkel

Als Maschinenbautechnikerin arbeitet Claudia Schubert-Zollinger, Mutter von zwei Kindern, am LEC. Sie beschäftigt sich unter anderem mit ganzheitlichen Lösungen für robuste und zuverlässige Großmotorenkonzepte: „Frauen bringen in männlich dominierte Berufsbilder andere Perspektiven und Blickwinkel ein, wodurch Problemlösungen anders aussehen können.“

Schubert-Zollinger ist im Rahmen ihrer Dissertation am Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz erstmals mit dem Thema Großmotoren in Kontakt gekommen, die Gründung des LEC bot ihr danach Gelegenheit, tiefer in die Welt der Großmotoren einzutauchen – „die gigantischen Dimensionen und der hohe Leistungsoutput faszinieren mich“.

  • Um mehr Frauen/Mädchen zu motivieren, Chancen in technischen Berufen zu ergreifen, braucht es aus der Sicht von Schubert-Zollinger praxisorientierte technische Experimente in der Schulausbildung, die eine frühe Begeisterung für die Technik aufkommen lassen. „Von Seiten der technischen Forschungseinrichtungen und der technisch orientierten Firmen bedarf es ein Mehr an Information und Transparenz nach außen.“
  • Vielen Mädchen sei gar nicht bewusst, dass nicht nur für jene, die an Naturwissenschaften interessiert sind, sondern auch für Mädchen mit Interesse am Recherchieren, Analysieren und „an einem Blick hinter die Kulissen“ technische Berufe vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten bieten.
  • Hinzu kommt, dass das Gehaltsniveau in der Technik schon beim Karriereeinstieg deutlich höher ist als in vielen anderen Bereichen. Im Maschinenbaubereich ist es in der Regel so, dass Uni-Absolventen aus einer Vielzahl an lukrativen Jobangeboten auswählen können.

Sehr gute Arbeitsbedingungen

Wibke Tritthart hat Technische Physik an der TU Graz studiert und ist nun als Wissenschaftlerin am LEC tätig. Sie hat drei Kinder und forscht zum Thema Nachhaltigkeit.

  • „Arbeitsbedingungen und Arbeitsumfeld sind in technischen Berufen überraschend gut“, zeigt sich Tritthart überzeugt. „Körperliche Anforderungen bestehen keine speziellen, Sicherheit am Arbeitsplatz ist voll gegeben und Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzte sind – zumindest beim LEC – sehr kollegial und kooperativ.“
  • „So wie Forschungstätigkeiten oftmals, ist meine Tätigkeit sehr selbstverantwortlich, das heißt man hat viele Möglichkeiten die Themen zu beeinflussen, die man bearbeitet. Damit verbunden ist aber auch der Auftrag, selbst initiativ zu sein und Chancen sowie neue Entwicklungen zu erkennen.“
  •  „Bei Großmotoren ist meiner Meinung nach die spannendste Frage: Wie kommen wir zu einer Gesellschaft, die nicht auf fossile Energieträger angewiesen ist? Großmotoren sind oft nicht direkt sichtbar, sondern in Maschinenräumen von Schiffen, Kraftwerken, u.a. verborgen. Es sind richtige ‚Last-Esel‘, ohne die wir aber nicht auskommen könnten. Erst nach einiger Beschäftigung erkennt man den Status und die Spielräume für Verbesserungen.“

Die Welt ein kleines Stück besser machen

Tritthart: „Eine kurzsichtige und einseitige, rein auf wirtschaftliche Aspekte und Profitinteressen bezogene Herangehensweise an Technik hat ihren hohen Anteil an den Problemen unserer Zivilisation, z.B. Klimawandel, Ressourcen-Raubbau, etc. Vielleicht können gerade Frauen zu einem anderen, nachhaltigeren Umgang beitragen.“

Interdisziplinäre Teams als Erfolgsfaktor

Nina Simon ist am LEC für Business Development und Marketing verantwortlich, sie hat Architektur und Wirt-schaft studiert. „Viele Studien aus der Wirtschaft belegen, dass sich die Arbeit von interdisziplinären Teams positiv auf die Produktivität eines Unternehmens auswirkt. Auch Frauen bringen andere Blickwinkel und Kompetenzen in Teams ein, wodurch Problemlösungen anders aussehen können. Dazu haben Frauen in technischen Berufen oft hervorragende Karrierechancen.“

  • An Großmotoren fasziniert Simon „die Power und die Einsatzbreite“. „Dazu ist der Nachhaltigkeitsaspekt sehr wichtig. Das LEC trägt mit seiner Forschung und seinen Lösungen wesentlich zur Reduktion der Emissionen von Großmotoren bei. Das gibt einem das Gefühl an etwas Sinnvollem mitzuwirken und einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft zu leisten.“

Flexible Arbeitszeiten

Doris Schadler ist Research Engineer am LEC. In einem aktuellen Projekt beschäftigt sie sich unter anderem mit Fehlerdiagnosen auf Basis von Simulationsergebnissen und deren praktische Anwendung. Hierfür wurde am LEC eine eigene Software entwickelt.
Potenziale für Frauen in technischen Berufen sieht sie in allen Sparten, weil Frauen andere Herangehensweisen an Problemstellungen haben. „Außerdem sind unterschiedliche Persönlichkeiten der Arbeitnehmer immer ein Vorteil.“

  • Zahlreiche Studien bestätigen, dass Frauen in vielen Bereichen empathischer sind als Männer, vor allem im Forschungsbereich, wenn es um das Analysieren von bzw. Feilen an Techniken geht, ist dies ein großer Vorteil.
  • Anders als im Handel und anderen frauentypischen Bereichen sind die Arbeitszeiten in der Technik meist sehr familienfreundlich und auch flexibel. Deshalb ist auch für Frauen mit Kindern die Technik ein idealer Arbeitsbereich.

Über LEC

Das Large Engines Competence Center (LEC) ist Österreichs führende Einrichtung im Bereich Forschung und Entwicklung für Großmotorentechnik und zählt zu den drei besten Forschungsinstitutionen weltweit. Die Entwicklung umweltfreundlicher, effizienter und robuster Großmotoren in unterschiedlichen Anwendungsfeldern wie dem Energieerzeugungs- und Transportbereich steht im Fokus.

Die wesentliche Zielsetzung des COMET-K1-Zentrums LEC EvoLET – als Teil der LEC GmbH – besteht in der Schaffung der Grundlagen für den Technologiesprung zur nächsten Generation von Gas- und Dual Fuel Motoren. Das LEC verfügt dazu am Campus der TU Graz über eine weltweit einzigartige Prüfstandsinfrastruktur mit Einzylinder-Forschungsmotoren. Das Partnerkonsortium umfasst alle Technologieführer im Bereich der innovativen Motorentechnologie, darunter viele Weltmarktführer.

Dieses internationale Partnernetzwerk, das COMET-Forschungsprogramm und die einzigartige Infrastruktur bieten die idealen Rahmenbedingungen um maßgeschneiderte Lösungen für die Industrie zu entwickeln und Innovation zu fördern.
Interessierten Forscherinnen und Forschern bietet das LEC hervorragende Perspektiven.

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