Stadion Liebenau: Umbau um 60 Millionen Euro technisch machbar

Die seit Jahren diskutierte Zukunft des Stadions Liebenau bekommt eine neue Grundlage. Eine vertiefte Machbarkeitsstudie zur Modernisierung des bald 30 Jahre alten Fußballstadions zeigt, dass ein umfassender Umbau auch innerhalb eines deutlich kleineren Kostenrahmens technisch möglich ist. Im Raum stehen nun rund 60 Millionen Euro netto – statt jener deutlich höheren Summen, die frühere Varianten für einen Vollausbau vorgesehen hatten.

Künftig könnten im Stadion Liebenau bis zu 20.100 Zuschauer:innen Platz finden. Vorgesehen sind rund 15.700 Sitzplätze, ergänzt durch flexible Steh- und Sitzplatzlösungen. Damit soll das Stadion weiterhin für Bundesliga-Spiele und internationale UEFA-Bewerbe geeignet bleiben. SK Sturm Graz und GAK 1902 sollen das Stadion auch künftig gemeinsam nutzen.

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Stadion Liebenau soll modernisiert statt neu gebaut werden

Die neue Studie setzt auf einen tiefgreifenden Zu- und Umbau des bestehenden Stadions. Eine massive Erweiterung ist nicht geplant. Große Teile der heutigen Struktur, darunter die Tribünen im Norden, Osten und Süden samt Dach, sollen erhalten bleiben. Auch teure Grundstücksankäufe sind nach der aktuellen Variante nicht notwendig.

Ein zentrales Element ist die Absenkung des Spielfeldes. Dadurch soll der Stadiongraben wegfallen und mehr Nähe zwischen Spielfeld und Rängen entstehen. Dazu kommen neue Kiosk-, Sanitär- und Gastrobereiche, neue Medien- und Kamerazonen, Schallschutzmaßnahmen sowie eine umfassende Erneuerung der haustechnischen und elektrotechnischen Infrastruktur.

Bis zu 20.100 Plätze und neuer VIP-Bereich

Neben der Kapazität geht es vor allem um moderne Stadioninfrastruktur. Das modernisierte Stadion soll einen neuen Hospitality- und Skyboxbereich für rund 1.700 Gäste erhalten. Auch die Trennung von Fanströmen und Gästesektoren soll verbessert werden. Zusätzlich ist ein barrierefreier Ausbau vorgesehen.

Die wichtigsten Eckpunkte der aktuellen Variante:

  • rund 15.700 Sitzplätze, erweiterbar auf etwa 20.100 Plätze durch flexible Lösungen
  • rund 1.700 Hospitality- und VIP-Plätze samt Skyboxbereich

Damit bleibt das Projekt deutlich unter der früher geprüften Ausbauvariante. Die erste Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2025 hatte einen Vollausbau mit rund 23.000 Plätzen, 2.000 Hospitality-Plätzen und voller Eignung für internationale Großveranstaltungen untersucht. Technisch war diese Variante möglich, die geschätzten Kosten lagen jedoch bei rund 120 Millionen Euro plus rund 30 Millionen Euro für notwendige Grundstücksankäufe.

Stadt will Grundsatzbeschluss im Gemeinderat

Die vertiefte Machbarkeitsstudie soll mit 11. Mai 2026 abgeschlossen werden. Danach soll im Gemeinderat ein Grundsatzbeschluss für die weitere Projektentwicklung gefasst werden. Parallel dazu sollen die Finanzdirektion, das Land Steiermark, die Vereine und die Stadion Graz Liebenau GmbH die wirtschaftlichen Grundlagen für ein nachhaltiges Betriebskonzept erarbeiten.

Bürgermeisterin Elke Kahr sieht die neue Variante als jenen Rahmen, der für die Stadt mit großer Kraftanstrengung machbar sei. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner verweist auf die Bedeutung moderner Infrastruktur für die Grazer Fußballvereine und sieht nun vor allem das Land Steiermark gefordert. Auch SPÖ-Vorsitzende Doris Kampus spricht von einem ersten Schritt und fordert Landeshauptmann Mario Kunasek zum Handeln auf.

Stadtbaudirektor Bertram Werle sieht nach knapp 30 Jahren die Chance für einen Neustart des Stadions Liebenau. Erarbeitet wurde die Studie unter Leitung der Stadtbaudirektion gemeinsam mit der Stadion Graz Liebenau GmbH, externen Fachkonsulent:innen, dem Architekturbüro Wimmer ZT GmbH sowie SK Sturm Graz und GAK 1902.

Kritik von Sportstadtrat Kurt Hohensinner

Kritik kommt von Sportstadtrat Kurt Hohensinner. Für ihn zeige der angekündigte Beschluss vor allem, dass die Stadtspitze weiterhin keinen umsetzbaren Stadionausbau vorlegen könne. Hohensinner spricht von jahrelangen Studien, Arbeitskreisen und Verzögerungen.

Wörtlich hält er fest: „Die Stadionfrage ist zum Symbol für die Politik der Kahr-Schwentner-Koalition geworden: Am Anfang wurde viel versprochen, seither wird verzögert, vertröstet und verschoben.“ Dass nun erneut ein Betreiber- und Finanzierungsmodell erarbeitet werden soll, wertet Hohensinner als weiteres Vertrösten der Vereine und Fans.

Was jetzt noch offen ist

Trotz der technischen Machbarkeit bleiben wesentliche Fragen offen. Die Studie ist eine technische Grundlage, aber noch kein fertiger Bau- oder Finanzierungsbeschluss. Detailfragen zu Genehmigungen, Bewilligungsverfahren, Betrieb, Nutzung und Finanzierung müssen in den nächsten Schritten geklärt werden.

Für Herbst 2026 soll auf Basis der Machbarkeitsstudie und der wirtschaftlichen Vorgaben ein Planungsbeschluss vorbereitet werden. Erst dann wird konkreter sichtbar, ob und wie der Umbau des Stadions Liebenau tatsächlich umgesetzt werden kann.

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