Schmiedgasse wird tagsüber „echte“ Fußgängerzone: Radfahren künftig nur mehr nachts erlaubt
In der Schmiedgasse wird Radfahren künftig tagsüber untersagt: Nach einer mehrmonatigen Beobachtungs- und Evaluierungsphase hat die Stadt Graz entschieden, den Radverkehr ganzjährig zeitlich einzuschränken. Geplant ist, dass Fahrräder nur mehr zwischen 21:00 Uhr und 9:00 Uhr durchfahren dürfen – von 9:00 Uhr bis 21:00 Uhr soll die Gasse dem Fußverkehr vorbehalten sein. Umgesetzt werden soll die Änderung im Frühjahr 2026, „vermutlich um Ostern“.

Warum die Stadt jetzt umstellt
Begründet wird der Schritt mit wiederkehrenden Konflikten im stark frequentierten Abschnitt: Trotz bereits gesetzter Maßnahmen, Sensibilisierung und Kontrollen sei es weiterhin zu Tempoüberschreitungen gekommen. Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Judith Schwentner verweist dabei auch auf Ergebnisse aus Geschwindigkeitsmessungen und die Einschätzung aus polizeilichen Überwachungen.
Schwentner fasst die Abwägung in einem Satz zusammen: „Ich gebe der Sicherheit den Vorrang. Radfahrer haben in Parallelstraßen freie Fahrt.“
Welche Alternativrouten gibt es?
Als Ausweichstrecken sind sowohl die Neutorgasse als auch die Raubergasse befahrbar. Beide sollen parallel weiter verbessert werden. Alternativ kann das Rad natürlich auch geschoben werden.
Stimmen aus der Politik: breite Zustimmung, unterschiedliche Akzente
In der Stadtpolitik findet die Ankündigung über Parteigrenzen hinweg Zustimmung – allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten:
Abwägung: Was dafür spricht – und was dagegen spricht
Sicherheits- und Aufenthaltsargumente
Für Befürworter:innen liegt der Vorteil in der klaren Raumaufteilung: Tagsüber, wenn die Schmiedgasse als Einkaufs- und Flanierachse besonders dicht ist, soll es weniger riskante Begegnungen geben. Die Stadt führt dazu vor allem Tempoüberschreitungen und die begrenzte Wirkung von Kontrollen ins Treffen.
Umwege, Lieferverkehr und Rad-Infrastruktur
Kritiker:innen erwarten längere Wege für den Radverkehr – besonders für Alltagsrouten durch die Innenstadt und für Zusteller:innen. Entscheidend wird, wie gut Neutorgasse und Raubergasse tatsächlich funktionieren und ob dort Verbesserungen spürbar ankommen.
Hintergrund: Fußgängerzone gibt es dort seit 2017 – Umbau 2020 abgeschlossen
Ganz neu ist das Grundprinzip nicht: Teile von Schmiedgasse und Landhausgasse wurden 2017 als Fußgängerzone verordnet. 2020 folgte die umfangreiche Umgestaltung mit mehr Grün, barrierefreien Oberflächen und Sitzbereichen; die Stadt beziffert die Projektkosten mit rund zwei Millionen Euro.
