Jays
Mit dem „Jays“ ist am Jakominiplatz ein neues Lokal in die Räume der ehemaligen „Area 5“ eingezogen. Der erste Eindruck fällt dabei durchaus vielversprechend aus: Die Ausstattung wirkt modern und hochwertig, durch die große Fensterfront ist das Lokal angenehm hell. Beim Testbesuch zeigte sich allerdings auch schnell, dass es im Ablauf noch deutlich hakt.
Details zum Lokal
Jakominiplatz 12
8010 Graz
Di – Do: 11:00 – 24:00 Uhr
Fr, Sa: 11 – 1:00 Uhr So: 11 – 24
Der Empfang wirkt noch unorganisiert
Schon beim Ankommen beginnt der Abend mit Unsicherheit. Wir kommen spontan, haben nicht reserviert – zunächst heißt es bei den Türstehern, es sei kein Platz mehr frei. Kurz darauf wird ein Platz „an der Bar“ in Aussicht gestellt, später dann ein Tisch „für eine Stunde“. Als wir bereits wieder gehen wollen, taucht plötzlich doch noch ein Tisch auf, der offenbar übersehen worden war.
Auch im weiteren Verlauf zeigt sich dieses Bild. Die Speisekarte kommt rasch, auf die Getränkebestellung müssen wir aber warten. Nach der Bestellung geht es in der Küche dann überraschend flott, das Essen steht schnell am Tisch – allerdings zunächst ohne Besteck und ohne Kommentar. Erst durch deutliches Aufmerksam-Machen reagiert eine Kellnerin und bringt das fehlende Werkzeug. Als wir schon beim Essen sind, kommt noch ein zweites Besteck… Solche Kleinigkeiten mögen an einem neuen Standort verzeihlich sein, summieren sich aber rasch zu einem Gesamteindruck, der noch nicht rund wirkt.
Essen im „Jays“: Das Schnitzel überzeugt, der Burger lässt Luft nach oben
Kulinarisch zeigt das „Jays“, dass durchaus Potenzial vorhanden ist. Vor allem das Wiener Schnitzel vom Schwein mit Babykartoffeln hinterlässt einen starken Eindruck. Die Panier ist sehr gut souffliert, schön gesalzen und angenehm zart. Dazu kommen halbierte Erdäpfel mit Schale, Petersilie und einer buttrigen Note. Preiselbeeren und zwei Zitronenspalten runden den Teller klassisch ab. Unterm Strich ist das ein Gericht, das klar überzeugt.
Weniger gelungen fällt der „Spicy Cheeseburger“ aus. Der Burger wirkt insgesamt etwas zu trocken und hätte von mehr Soße klar profitiert. Auch die separat zu bestellenden Steak Pommes überzeugen und nicht gänzlich. Für 6 Euro ohne Ketchup oder andere Soße ist die Beilage preislich ambitioniert, zumal sie etwas knuspriger sein dürfte. Positiv bleibt immerhin der feine Hauch Rosmarin, der den Pommes eine interessante Note gibt.
Speisekarte im „Jays“: Viel Auswahl, aber wenig klare Linie
Ein weiterer Punkt fällt beim Blick in die Karte auf: Sie bietet viel, wirkt aber noch wenig fokussiert. Das Angebot reicht vom „Spicy Cheeseburger“ um 15,90 Euro über Spaghetti Bolognese um 15,50 Euro bis zum geschmorten Entenragout um 25,90 Euro. Dazu kommen mehrere Flammkuchen um rund 15 Euro, Wiener Schnitzel vom Kalb oder Schwein sowie vegetarische Optionen wie gelbes Gemüsecurry, vegetarischer Flammkuchen oder Pasta.
Diese Breite sorgt zwar dafür, dass viele Geschmäcker bedient werden, lässt das Konzept des Lokals aber noch unscharf erscheinen. Der Eindruck entsteht, dass das „Jays“ vieles gleichzeitig sein will, ohne bisher eine klare kulinarische Handschrift erkennen zu lassen.

Atmosphäre: Stylisch, hell und für manche wohl zu laut
Optisch hat das Lokal definitiv Qualität. Die Einrichtung wirkt modern, gepflegt und hochwertig. Gleichzeitig sorgt die helle Fensterfront für eine offene, freundliche Stimmung. Weniger gut dazu passte für uns der musikalische Rahmen: Beim Testbesuch spielte im „Hintergrund“ ein House-DJ, für den frühen Abend allerdings in einer Lautstärke, die Gespräche deutlich erschwerte. Wer nach Feierabend gemütlich essen und sich nebenbei unterhalten möchte, könnte das als störend empfinden.
Viel Potenzial, aber noch kein runder Auftritt
Das „Jays“ startet mit Licht und Schatten. Die Küche zeigt mit dem Schnitzel, dass sie Qualität auf den Teller bringen kann. Auch das Ambiente macht einen guten Eindruck. Gleichzeitig bremst das noch unorganisierte Service den positiven Gesamteindruck deutlich aus. Dazu kommt eine Speisekarte, die zwar breit aufgestellt ist, aber noch nicht wirklich erkennen lässt, wofür das Lokal eigentlich stehen will.
So bleibt nach dem ersten Besuch ein gemischtes Bild: Das „Jays“ hat Potenzial, wirkt aktuell aber noch wie ein Lokal in der Findungsphase. Wenn Service, Abläufe und Konzept nachgeschärft werden, könnte daraus ein interessanter neuer Treffpunkt am Jakominiplatz werden. Im Moment überzeugt vor allem das Essen in Teilen – und zeigt damit vielleicht am deutlichsten, wo die Stärke des Lokals künftig liegen könnte.
Ein wenig Wehmut schwingt am Jakominiplatz dennoch mit. Mit dem Ende des „Area 5“ ist auch ein Lokal verschwunden, das über Jahre für viele Studierende, junge Grazer:innen und Nachtschwärmer ein unkomplizierter, vergleichsweise günstiger Anlaufpunkt war. Gerade in einer Zeit, in der Essen und Ausgehen für viele immer teurer werden, fällt so ein Ort besonders auf, wenn er fehlt. Mit dem „Jays“ zieht nun ein deutlich moderneres und eher mittelpreisiges Konzept ein – stimmig für ein neues Publikum, aber eben auch ein weiterer Schritt weg von jener leistbaren Gastro, die rund um den Jako lange selbstverständlich wirkte.




