MOJO Graz
Mit dem MOJO in Puntigam hat in Graz ein weiteres Lokal eröffnet, das auf „All you can eat“ mit Tablet-Bestellung setzt. Damit reiht es sich in eine Entwicklung ein, die zuletzt auch im KAOo Riverside in der Innenstadt, im MIHO in Liebenau oder beim neuen Sushi Vero im Paradeishof sichtbar wurde: keine klassische Buffetstrecke, sondern Bestellung direkt am Tisch, kleine Portionen aus der Karte und laufender Nachschub aus der Küche. Zu finden ist das Restaurant neben dem Cineplexx in den Räumlichkeiten des ehemaligen BUR bzw. Infinity Clubs.
Details zum Lokal
Alte Poststraße 460-462
8055 Graz
Di – Do: 11:30 – 15 & 17 – 22:30
Fr – So: 11:30 – 22:30 Uhr
Das MOJO fällt dabei schon beim Betreten auf. Das Lokal ist groß, hochwertig gestaltet und deutlich auf Wirkung ausgelegt. Licht, Raumteiler, dunkle Töne und auffällige Wandflächen schaffen ein Ambiente, das klar über dem klassischen All-you-can-eat-Lokal liegt. Plastikschalen oder Kantinengefühl gibt es hier nicht. Auch die Lage ist praktisch: Vor dem Lokal stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung, eine Reservierung über die Website ist einfach möglich und vor allem am Abend sinnvoll.
MOJO Graz: Hochwertiges Interieur, hektischer Start
Der erste Eindruck ist stark, der Ablauf weniger rund. Beim Eintritt bildet sich eine Warteschlange – während andere Gäste an der Rezeption bezahlen, müssen wir warten. Der Empfang ist freundlich, nach dem Platznehmen kommt eine Servicekraft, die uns schnell das Bestellen über das Tablet erklärt. Einige Details, wie dass etwa auch per Handy via QR-Code bestellt werden kann oder dass Besteck, Sojasoße oder Wasabi ganz unten unter Extras zu finden sind, erfahren wir erst über die „Einschulung“ am Nachbartisch. Danach läuft der Abend aber weitgehend ohne klassischen Service.
Das ist Teil des Konzepts, wirkt in der Praxis aber stellenweise sehr distanziert. Speisen, Getränke sowie alle weiteren „Extras“ werden über das Tablet bestellt. Wer gerne selbst durch die Karte klickt, wird damit zurechtkommen. Wer in einem Lokal mit diesem Ambiente auch mehr persönliche Betreuung erwartet, könnte enttäuscht sein.
Tablet-Bestellung im MOJO
Die digitale Bestellung funktioniert grundsätzlich übersichtlich. Die Karte ist in Kategorien aufgeteilt, die Gerichte können direkt am Tablet ausgewählt werden. Ganz flexibel ist das System aber nicht. Schade ist etwa, dass manche Sushi-Varianten nur in vier oder sechs Stück bestellt werden können. Ein Hinweis in den Notizen – etwa mit der Bitte um nur zwei Stück – blieb ohne Wirkung. Bei einem Konzept, bei dem man möglichst viel probieren möchte, wären kleinere Portionen oder mehr Spielraum bei der Stückzahl sinnvoll.
In der Praxis zeigt sich außerdem, dass Bestellungen sehr unterschiedlich schnell zubereitet und zum Tisch gebracht werden. Dadurch verliert man leicht den Überblick, was bereits gekommen ist und was noch offen bleibt. Zeitweise steht der Tisch voll mit Speisen, weil mehrere Gerichte gleichzeitig serviert werden. Später entstehen trotz laufender und noch offener Bestellungen längere Pausen ohne Essen. Einzelne Gerichte dauerten rund 40 Minuten, bis sie am Tisch waren.
Sushi und Sashimi
Die Stärke des MOJO liegt klar bei Sushi, Sashimi und den kalten Fischgerichten. Die Präsentation ist sauber, das Geschirr wertig, die Teller wirken sorgfältig angerichtet. Lachs, Sashimi und mehrere Rollen kommen frisch und ordentlich an den Tisch. Auch optisch macht vieles Freude.
Gleichzeitig bleibt ein Teil der Karte recht einheitlich. Viele Sushi-Varianten unterscheiden sich weniger stark, als es die große Auswahl zunächst vermuten lässt. Mehrere Rollen arbeiten mit ähnlichen Saucen, cremigen Toppings und wiederkehrenden Kombinationen. Das schmeckt nicht schlecht, wirkt aber nach einigen Bestellungen etwas vorhersehbar.
Specials beim Dinner: Fisch stärker als Fleisch
Beim Dinner um 36,90 Euro gibt es zusätzlich zu den Standardgerichten mehrere Specials, von denen jede Person zwei bestellen kann. Hier zeigt sich der Abend besonders unterschiedlich.
Die Auster ist der auffälligste Moment des Menüs. Sie wird auf Eis und mit Trockeneis-Nebel serviert, was zunächst nach Show aussieht, aber am Tisch tatsächlich Eindruck macht. Auch die Jakobsmuscheln gehören zu den besseren Gerichten des Abends. Die Fischgerichte wirken insgesamt stimmiger, frischer und klarer.
Bei Fleischgerichten fällt das Urteil kritischer aus. Das Rinderfilet aus dem Wok ist fest und durchgegart, das Roastbeef wird von einer zähen Sehne durchzogen, die das Kauen des sonst gut mediumrare gebratenen Fleischstücks unmöglich macht. Gerade bei den Specials, die im Dinnerpreis besonders hervorgehoben werden, fällt so etwas stärker auf. Auch bei warmen Fleischgerichten wiederholen sich Saucen und Geschmacksbilder, wodurch die Auswahl größer wirkt, als sie sich am Ende anfühlt.
Abseits von Sushi gibt es im MOJO eine Auswahl an warmen Gerichten, kleinen Wokportionen, frittierten Speisen, Dim Sum und Reis und Nudeln. Die warmen Speisen sind überwiegend solide, einzelne Gerichte kommen schön angerichtet und angenehm heiß an den Tisch. Nudeln, kleine Fleischgerichte oder frittierte Happen erfüllen, was man in diesem Konzept erwartet.
Zu Beginn des Abends kommen die Gerichte rasch. Wer früh, etwa um 18:00 Uhr, startet, bekommt die ersten Runden ohne längere Pause. Später zieht sich der Ablauf spürbar. Einzelne Bestellungen dauern dann rund 30 Minuten oder länger.
Lunch, Wochenendlunch und Dinner im MOJO Graz: die Unterschiede
Beim Blick in die Speisekarten zeigt sich: Zwischen dem Lunch unter der Woche und dem Wochenendlunch gibt es auf der Website vor allem einen Unterschied bei Preis und Zeitfenster. Der Lunch von Dienstag bis Freitag kostet 20,90 Euro für Erwachsene und läuft von 11:30 bis 15:00 Uhr. Am Samstag, Sonntag und an Feiertagen kostet der Lunch 33,90 Euro und läuft länger, nämlich von 11:30 bis 16:00 Uhr. Auf der Website ist für beide Lunch-Varianten dieselbe Lunch-Karte verlinkt, eine eigene Wochenendlunch-Speisekarte ist dort nicht ersichtlich.
Deutlich größer ist der Unterschied zwischen Lunch und Dinner. Das Dinner kostet 36,90 Euro für Erwachsene und wird von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 16:30 bis 22:30 Uhr angeboten. In der Abendkarte gibt es zusätzliche Bereiche, die in der Lunch-Karte nicht oder nicht in dieser Form auftauchen. Dazu zählen die Dinner-Specials mit Auster, Tataki Tuna, Jakobsmuscheln, Entenfilet und Roast Beef, wobei pro Person zwei Gerichte aus diesem Spezialitätenbereich bestellt werden können.
Auch bei Sushi und Fisch ist die Abendkarte breiter. Während die Lunch-Karte bereits viele Maki, Uramaki, Nigiri, warme Gerichte, Reis-, Nudel-, Fleisch- und Garnelengerichte enthält, kommen am Abend unter anderem Sashimi, zusätzliche Carpaccio-Varianten, „Nigiri Plus“ und weitere Grillgerichte dazu. In der Abendkarte finden sich etwa Tuna Sashimi, Salmon Sashimi und Mixed Sashimi, außerdem Beef Tenderloin Nigiri, Scallops, gegrillte Calamari, Lammkotelett und King Prawns.
Wichtig bei der Einordnung der Preise: Die genannten Beträge gelten ohne Getränke und ohne Nachspeisen. Getränke werden separat verrechnet. Auch Desserts sind nicht im All-you-can-eat-Preis enthalten, sondern kosten zusätzlich 8,90 Euro pro Nachspeise. Alle Preise sind Stand Mitte Mai 2026.
Unser Fazit zum MOJO Graz
Das MOJO Graz ist kein gewöhnliches All-you-can-eat-Lokal. Das Ambiente ist hochwertig, die Raumgestaltung auffällig und die Präsentation vieler Gerichte deutlich sorgfältiger als in klassischen Buffetrestaurants. Besonders Sushi, Sashimi und Meeresfrüchte können überzeugen. Auch das schöne Geschirr und die durchdachte Optik tragen viel zum Eindruck bei.
Gleichzeitig zeigt der Besuch klare Schwächen. Der Service bleibt durch das Tablet-System sehr reduziert, trotzdem hektisch und teilweise überfordert. Wird anfangs der Tisch noch regelmäßig von Leergeschirr befreit, bleiben später leere Teller und Gläser einfach stehen. Der Raum ist laut, der Ablauf wirkt hektisch und die Wartezeiten werden im Verlauf des Abends lang. Bei Fleischgerichten und manchen Specials fehlt die Konstanz. Auch die geringe Flexibilität bei Portionsgrößen passt nicht ganz zu einem Konzept, das eigentlich zum Probieren einlädt.
Wer Sushi mag, ein modernes Ambiente sucht und mit digitaler Bestellung gut zurechtkommt, kann im MOJO einen interessanten Abend verbringen. Wer ruhigen Service, persönliche Empfehlungen und gleichbleibend hohe Qualität über alle Kategorien erwartet, sollte die Erwartungen etwas bremsen.




















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