Marlene Hahn wird neue Intendantin der Oper Graz
Die Oper Graz bekommt ab der Spielzeit 2028/29 eine neue Leitung: Marlene Hahn übernimmt die Geschäftsführende Intendanz. Die derzeitige Chefdramaturgin der Oper Leipzig kennt das Grazer Haus bereits bestens – von 2015 bis 2022 war sie hier als Musik- und Ballettdramaturgin tätig.
Der Aufsichtsrat der Bühnen Graz ist der einstimmigen Empfehlung der Hearing-Kommission gefolgt und hat Marlene Hahn zur künftigen Geschäftsführenden Intendantin der Oper Graz bestellt. Sie folgt ab der Spielzeit 2028/29 auf Ulrich Lenz, der das Haus noch in den kommenden beiden Spielzeiten leiten wird.

Marlene Hahn kehrt an die Oper Graz zurück
Für Hahn ist die Bestellung zugleich eine Rückkehr an eine langjährige Wirkungsstätte. Von 2015 bis 2022 arbeitete sie als Musik- und Ballettdramaturgin an der Oper Graz und war an der Entwicklung des Hauses unter der damaligen Intendantin Nora Schmid beteiligt. In dieser Zeit entstanden unter anderem eigene Projekte wie „Hotel Elefant“ im Hotel Wiesler und „The Corridor“.
Seit der Spielzeit 2022/23 ist Hahn Chefdramaturgin der Oper Leipzig und Mitglied des dortigen Leitungsteams. Darüber hinaus leitet sie die Junge Oper Leipzig beziehungsweise den Bereich „360°“, der sich mit kultureller Teilhabe und neuen Zugängen zum Musiktheater beschäftigt.
Ihr berufliches Profil verbindet dramaturgische Arbeit, Regie, strategische Kulturentwicklung und Führungserfahrung. Hahn war vor ihrer Grazer Zeit am Staatstheater Augsburg tätig und arbeitete dort unter anderem als Musik-, Konzert- und Ballettdramaturgin sowie als künstlerische Leiterin des Opernballs.
26 Bewerbungen für die Intendanz der Oper Graz
Das Auswahlverfahren wurde von der Personalberatungsagentur „Kulturexperten“ begleitet. Insgesamt gingen 26 Bewerbungen ein, darunter zehn von Frauen und 16 von Männern. Fünf Kandidat:innen wurden zu einer ersten Vorstellungsrunde eingeladen. Beim abschließenden Hearing am 6. Juli 2026 stellten sich eine Frau und drei Männer der Kommission.
Der Hearing-Kommission gehörten Maria Großbauer, frühere Salzburger-Festspiele-Präsidentin Helga Rabl-Stadler, Staatsopernintendantin Elisabeth Sobotka und Bühnen-Graz-Geschäftsführer Bernhard Rinner an. Die Kommission empfahl Hahn einstimmig, der Aufsichtsrat folgte anschließend diesem Vorschlag.
Künstlerische Qualität und neue Publikumsgruppen
Für die Entscheidung waren laut Bühnen Graz drei zentrale Anforderungen ausschlaggebend: internationale künstlerische Qualität, eine stärkere Verankerung der Oper in der Stadt sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit knapper werdenden finanziellen Mitteln.
Dabei soll das Haus auch neue und jüngere Publikumsgruppen erreichen und zusätzliche Einnahmen erzielen. Gleichzeitig werden angesichts der budgetären Rahmenbedingungen kreative Reformschritte erwartet. Hahn verbinde nach Ansicht der Verantwortlichen künstlerische Kompetenz, gesellschaftliche Offenheit und wirtschaftliches Verantwortungsbewusstsein.
Welche Pläne Marlene Hahn für die Oper Graz hat
In ihren ersten Konzeptüberlegungen beschreibt Hahn die Oper Graz als ein Haus, das große Musiktheatertradition mit neuen Formen und einer stärkeren Nähe zum Publikum verbinden soll. Die Oper solle fest in Graz und der Steiermark verankert bleiben, gleichzeitig aber international ausgerichtet sein und auch Menschen ansprechen, die bisher noch keinen Zugang zum Haus gefunden haben.
Zu ihren Ideen gehören zwei Kammeropern pro Spielzeit an außergewöhnlichen Orten in Graz. Als mögliche Spielstätten nennt sie unter anderem den Dom im Berg, Innenhöfe und Industriehallen. Kooperationen mit der Kunstuniversität Graz und weiteren Partner:innen sollen neue künstlerische Projekte ermöglichen.
Auch Barrierefreiheit und kulturelle Teilhabe spielen in Hahns bisheriger Arbeit eine wichtige Rolle. An der Oper Leipzig wurden unter ihrer Leitung unter anderem Live-Audiodeskriptionen, Relaxed Performances, Konzerte für Menschen mit Demenz sowie partizipative Projekte mit Jugendlichen ausgebaut. Diese Erfahrungen möchte sie an die Gegebenheiten der Oper Graz anpassen.
Politik begrüßt die Entscheidung
Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl bezeichnet die Oper Graz als kulturelles Aushängeschild der Steiermark. Hahn verbinde „künstlerische Qualität, Offenheit für neue Zielgruppen und wirtschaftliches Verantwortungsbewusstsein“ und könne das Haus mit neuen Impulsen in die Zukunft führen.
Beteiligungsstadtrat Manfred Eber verwies auf das transparente Auswahlverfahren und die fachliche Beurteilung durch die Kommission. Kulturstadträtin Claudia Unger betonte, Hahn kenne sowohl die Stadt als auch das Opernhaus und könne die Entwicklung des Hauses trotz schwieriger werdender finanzieller Rahmenbedingungen fortsetzen.
Die Bestellung sei laut Bühnen Graz keine Bewertung der bisherigen künstlerischen Arbeit von Ulrich Lenz. Vielmehr gehe es um unterschiedliche Vorstellungen über die Anforderungen an die nächste Entwicklungsphase des Hauses – insbesondere unter den finanziellen Vorgaben der Eigentümer:innen.
