Graz schafft 35 zusätzliche Notschlafplätze für den Winter
Steigende Wohn- und Energiekosten verschärfen die Situation für Menschen ohne eigenes Zuhause. Caritas und VinziWerke haben am 5. November 2026 gemeinsam mit der Stadt Graz und dem Land Steiermark ihre Winternothilfe vorgestellt. Die Caritas stellt 35 zusätzliche Schlafplätze bereit, auch die VinziWerke erweitern ihre Kapazitäten.
35 zusätzliche Notschlafplätze in Graz
Die Caritas hat ihre Winternothilfe für die Saison 2026/27 neu organisiert. Die bisherige Winternotschlafstelle am Standort St. Lukas wird nicht mehr weitergeführt. Stattdessen entstehen die zusätzlichen Schlafmöglichkeiten direkt in zwei bestehenden Einrichtungen.
Immer mehr Menschen benötigen Unterstützung
Die Hilfsorganisationen rechnen mit einem schwierigen Winter. Hohe Mietpreise, steigende Lebenshaltungskosten und Energieausgaben bringen zunehmend Menschen in finanzielle Schwierigkeiten.
Wie angespannt die Situation bereits ist, zeigen die Zahlen der VinziWerke. Die Grazer Notschlafstelle VinziTel verzeichnete zuletzt eine Auslastung von 102 Prozent. Auch der Beratungsbedarf steigt.
Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler warnt vor den Folgen möglicher Einschränkungen bei der Sozialhilfe. „Winterliche Kälte können wir nicht verhindern. Soziale Kälte, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treibt, sehr wohl“, betont sie.
Bürgermeisterin Elke Kahr unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit von Stadt, Land und Hilfsorganisationen. Ein warmer und sicherer Zufluchtsort sei kein Privileg, sondern ein menschliches Grundbedürfnis.
Kältetelefon Graz: Hilfe unter 0676 880 15 8111
Neben den zusätzlichen Schlafplätzen ist auch das Caritas-Kältetelefon wieder im Einsatz. Wer einen Menschen bemerkt, der im Freien übernachten muss, kann unter 0676 880 15 8111 Hilfe verständigen.
Das Kältetelefon ist während der Wintersaison täglich von 18:00 bis 24:00 Uhr erreichbar. Ehrenamtliche Teams suchen die gemeldeten Personen auf und bieten ihnen Unterstützung sowie die Unterbringung in einer Notschlafstelle an.
Wer keine Unterkunft annehmen möchte, kann warme Kleidung, Schlafsäcke, Decken, Tee und eine kleine Verpflegung erhalten. Bei akuter Lebensgefahr ist direkt die Rettung unter 144 zu verständigen.
808 Anrufe beim Kältetelefon im vergangenen Winter
Wie wichtig die mobile Hilfe ist, zeigt die Bilanz der Wintersaison 2025/26. Insgesamt gingen beim Kältetelefon 808 Anrufe ein. Mehr als 50 Freiwillige waren im Einsatz und trafen bei ihren Ausfahrten 458-mal Menschen im Freien an.
In 408 Fällen verteilten die Teams warmen Tee und Snacks, 86-mal übergaben sie Notpakete mit Schlafsäcken, Isomatten und warmer Kleidung. In 19 Fällen gelang es, Menschen in eine Notschlafstelle zu vermitteln.
Die Winternotschlafstelle der Caritas verzeichnete in der vergangenen Saison rund 4.800 Nächtigungen bei einer Auslastung von nahezu 95 Prozent.
Neben den Übernachtungsmöglichkeiten stehen Menschen in Not auch tagsüber Anlaufstellen zur Verfügung. Dazu gehören die Bahnhofmission und das Marienstüberl der Caritas, die mit Verpflegung, Beratung und weiterer Unterstützung helfen.
