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Jüdisches Leben in Graz: Synagoge, Geschichte und Gedenkorte

Die Synagoge am David-Herzog-Platz ist heute das sichtbarste Zentrum jüdischen Lebens in Graz. Ihre Glaskuppel steht zugleich für religiöses Gemeindeleben, für den Wiederaufbau nach 1945 und für eine Stadtgeschichte, die über Jahrhunderte von jüdischer Kultur mitgeprägt wurde. Doch die Geschichte beginnt nicht erst mit dem Bau der ersten großen Synagoge im 19. Jahrhundert – und sie lässt sich auch nicht auf Verfolgung und Shoah reduzieren.

Jüdische Menschen lebten, arbeiteten, beteten, lernten und gründeten Familien in Graz. Sie waren im Handel tätig, betrieben Geschäfte, arbeiteten als Ärzt:innen, Jurist:innen, Lehrende und Kunstschaffende und beteiligten sich am gesellschaftlichen Leben. Mehrmals wurden jüdische Bewohner:innen jedoch vertrieben, entrechtet und verfolgt. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden ihre Lebenswelten systematisch zerstört, Menschen zur Flucht gezwungen, deportiert oder ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten einzelne Überlebende zurück und bauten eine neue Gemeinde auf. Heute begegnet jüdisches Leben in Graz nicht nur in der Synagoge, sondern auch bei Führungen, Kulturveranstaltungen, Bildungsprojekten und wissenschaftlichen Initiativen. Stolpersteine, der jüdische Friedhof, das Lager Liebenau und mehrere Kunstwerke im öffentlichen Raum erinnern zugleich an jene Menschen, die verfolgt wurden.

Jüdisches Leben in Graz heute

Die Jüdische Gemeinde Graz versteht sich sowohl als Religionsgemeinschaft als auch als Vermittlerin jüdischer Kultur. Ihr Zentrum bildet die neue Synagoge am David-Herzog-Platz. Neben Gottesdiensten und religiösen Aufgaben gehören Führungen, Vorträge, Workshops und kulturelle Programme zu ihrer Arbeit.

Die Gemeinde betont dabei, dass jüdisches Leben nicht ausschließlich über Tod, Verfolgung und Erinnerung vermittelt werden soll. Besucher:innen sollen auch jüdische Religion, Traditionen, Bräuche, Feste und gegenwärtiges Gemeindeleben kennenlernen. Dieses Selbstverständnis ist für einen zeitgemäßen Zugang wesentlich: Die Geschichte der Shoah bleibt unverzichtbar, bildet aber nicht den einzigen Blickwinkel auf jüdisches Leben in Graz.

Gottesdienste und jüdische Feiertage in Graz

Die Synagoge ist ein aktives Gotteshaus. Gottesdienste, Schabbatfeiern und religiöse Feiertage sind in erster Linie Veranstaltungen der Gemeinde und nicht mit allgemein zugänglichen touristischen Terminen vergleichbar. Dauerhaft gültige öffentliche Gebetszeiten werden von der Gemeinde derzeit nicht ausgewiesen.

Wer an einem Gottesdienst oder einer Feier teilnehmen möchte, sollte sich deshalb rechtzeitig direkt beim Gemeindebüro erkundigen und anmelden. Termine, Zugangsvoraussetzungen und Sicherheitsbestimmungen können sich ändern. Angaben der früheren Webseite von ikv-graz.at – darunter alte Kontaktpersonen, Gebetszeiten oder Zuständigkeiten – sollten daher nicht ungeprüft übernommen werden.

Religionsunterricht, Hebräisch und jüdische Bildung

Die ehemalige Webseite des Israelitischen Kultusvereins verwies auf jüdischen Religionsunterricht, Angebote für Kinder und Jugendliche sowie Hebräischkurse für Anfänger:innen und Fortgeschrittene. Ob und in welcher Form diese Angebote aktuell stattfinden, ist direkt bei der Gemeinde zu erfragen.

Gesichert angeboten werden Bildungsprogramme rund um die Synagoge. Das Programm „Synagoge erLeben“ richtet sich an Schulen, Bildungseinrichtungen, Religionsgemeinschaften, Studierende, private Gruppen und Erwachsene ohne Vorkenntnisse. Führungen können je nach Zielgruppe durch Workshops und thematische Schwerpunkte ergänzt werden.

Ein neues Jüdisches Kulturzentrum in Graz

Neben der Synagoge soll das bestehende Jüdische Kulturzentrum ausgebaut und saniert werden. Das Land Steiermark beschloss im August 2025 eine Förderung von 1,25 Millionen Euro. Von der Stadt Graz wurden rund 660.000 Euro in Aussicht gestellt. Das Gesamtprojekt wurde mit rund 1,9 Millionen Euro beziffert.

Geplant sind unter anderem die Sanierung und Adaptierung von Innenräumen, eine Aufzugsanlage sowie bauliche und technische Verbesserungen. Das Zentrum soll zusätzliche Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen, Begegnung und Bildungsarbeit schaffen. Ein Abschluss des Projekts war zum Recherchezeitpunkt noch nicht offiziell bestätigt.

Die Geschichte jüdischen Lebens in Graz

Erste jüdische Spuren im mittelalterlichen Graz

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung jüdischen Lebens in der Steiermark stammt aus dem Jahr 1147. Für Graz ist jüdische Bevölkerung erstmals 1261 dokumentiert. Damit reicht die nachweisbare jüdische Geschichte der Stadt weit in das Mittelalter zurück.

Das mittelalterliche jüdische Wohngebiet befand sich in zentraler Lage. Spuren führen in den Bereich südlich des heutigen Hauptplatzes sowie rund um Herrengasse und Frauengasse. Jüdische Bewohner:innen waren Teil des städtischen Wirtschaftslebens, unterlagen jedoch besonderen Abgaben, rechtlichen Einschränkungen und dem Schutz beziehungsweise der Willkür der jeweiligen Herrschenden.

Eine klare räumliche Trennung im Sinne späterer abgeschlossener Ghettos lässt sich für das mittelalterliche Graz nicht ohne Weiteres voraussetzen. Jüdische und christliche Lebensbereiche lagen teilweise nahe beieinander. Dennoch war die jüdische Bevölkerung rechtlich und gesellschaftlich nicht gleichgestellt.

Vertreibungen und die lange „Judensperre“

Die mittelalterliche Geschichte war von wiederholten Vertreibungen und Aufenthaltsverboten geprägt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die jüdische Bevölkerung aus der Steiermark ausgewiesen. Danach bestand über Jahrhunderte eine sogenannte „Judensperre“, die eine dauerhafte Ansiedlung weitgehend verhinderte.

Diese lange Abwesenheit erklärt, warum heute nur wenige unmittelbar sichtbare Zeugnisse des mittelalterlichen jüdischen Graz erhalten sind. Die historische Kontinuität wurde nicht auf natürliche Weise unterbrochen, sondern durch politische Entscheidungen, Ausgrenzung und Vertreibung zerstört.

Die Rückkehr im 19. Jahrhundert

Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts konnten sich jüdische Familien wieder dauerhaft in Graz niederlassen. Mit der schrittweisen rechtlichen Gleichstellung entstand erneut ein organisiertes Gemeindeleben. Zunächst fanden Gebete in privaten Räumen oder angemieteten Sälen statt. Gleichzeitig wurden eine Schule, religiöse Einrichtungen und ein eigener Friedhof aufgebaut.

Der jüdische Friedhof wurde 1864 angelegt. Das schnelle Wachstum der Gemeinde und ihr zunehmendes Selbstbewusstsein führten schließlich zum Bau einer großen Synagoge. Mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel wurde sie zu einem bedeutenden Teil des Grazer Stadtbildes.

Jüdisches Leben in Lend, Gries und der Innenstadt

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert lagen wichtige Schwerpunkte jüdischen Lebens in der Inneren Stadt sowie in Lend und Gries. Hier befanden sich Wohnungen, Geschäfte, Bildungseinrichtungen, Vereinsräume und religiöse Treffpunkte.

Gerade Gries war keineswegs nur ein Ort religiösen Lebens. Jüdische Grazer:innen waren in Sportvereinen, Schulen, Gastronomie, Handel und Kultur aktiv. Der heutige Blick auf einzelne Gebäude oder Straßenzüge lässt diese Vielfalt häufig nicht mehr erkennen. Digitale Rundgänge, historische Fotos und persönliche Erinnerungen helfen dabei, die verlorenen Lebenswelten wieder sichtbar zu machen.

Die alte Grazer Synagoge von 1892

Die erste große Grazer Synagoge wurde zwischen 1890 und 1892 nach Plänen des Architekten Maximilian Katscher errichtet. Zum Komplex gehörten neben dem Gotteshaus ein Gemeindehaus, eine Elementarschule und ein Turnsaal.

Mit ihrer rund 30 Meter hohen Außenkuppel war die Synagoge weithin sichtbar. Architektonisch orientierte sich Katscher unter anderem an der von Gottfried Semper entworfenen Dresdner Synagoge, entwickelte deren byzantinisch-romanische Formensprache jedoch eigenständig weiter. Der Bau am Murufer war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch Ausdruck der gesellschaftlichen Etablierung der jüdischen Gemeinde.

Rabbiner Samuel Mühsam und der Synagogenbau

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Synagoge spielte Rabbiner Samuel Mühsam. Er wurde 1837 in Landsberg in Oberschlesien geboren und war von 1877 bis zu seinem Tod im Jahr 1907 Rabbiner der Grazer Gemeinde.

Mühsam engagierte sich besonders für die Finanzierung des Synagogenbaus. Seine erhaltenen Predigten vermitteln zugleich einen Einblick in ein Judentum, das religiöse Tradition mit der deutschsprachigen Kultur des 19. Jahrhunderts verband.

Der Novemberpogrom 1938 in Graz

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Grazer Synagoge in Brand gesetzt und anschließend zerstört. Nach Darstellung der Jüdischen Gemeinde war der damalige Grazer Bürgermeister Julius Kaspar persönlich an der Brandlegung beteiligt. Zahlreiche Menschen sahen zu oder beteiligten sich an den Ausschreitungen.

Die Feuerwehr griff nicht ein, um die Synagoge zu retten. Sie beschränkte sich darauf, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Das Gotteshaus, seine Einrichtung und ein wesentliches Symbol jüdischen Lebens wurden vernichtet.

Die Gewalt richtete sich jedoch nicht nur gegen Gebäude. Jüdische Grazer:innen wurden aus ihren Wohnungen geholt, öffentlich gedemütigt, misshandelt und verhaftet. Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert. Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt, Familien zur Flucht gezwungen und Vermögenswerte geraubt.

Der Novemberpogrom markierte einen sichtbaren Höhepunkt des bereits zuvor bestehenden Antisemitismus. Danach wurden Enteignung, Vertreibung und Deportation weiter systematisiert. Die nationalsozialistische Herrschaft zerstörte die wirtschaftlichen, religiösen, kulturellen und privaten Lebenswelten der jüdischen Bevölkerung.

David Herzog: Misshandlung und Flucht

David Herzog war Landesrabbiner für Steiermark und Kärnten sowie Wissenschafter an der Universität Graz. Während des Novemberpogroms wurde er aus seiner Wohnung in der Radetzkystraße geholt, durch die Stadt getrieben, misshandelt und mit dem Tod bedroht.

Herzog konnte Graz später verlassen und überlebte die nationalsozialistische Verfolgung. Der Platz vor der heutigen Synagoge trägt seinen Namen. Auch der an mehreren steirischen Universitäten verankerte David-Herzog-Fonds erinnert an ihn und unterstützt wissenschaftlichen Austausch und interkulturelles Lernen.

Verfolgung an der Universität Graz

Die Ausgrenzung jüdischer Grazer:innen erfasste auch die Universität. Im März 1938 kam es dort zu einer Verhaftungswelle. Neben David Herzog wurde der Nobelpreisträger Otto Loewi festgenommen. Zahlreiche Lehrende und Studierende wurden verfolgt, entlassen oder vertrieben.

Damit verlor die Universität innerhalb kurzer Zeit einen bedeutenden Teil ihrer wissenschaftlichen und kulturellen Vielfalt. Die späteren Gedenkprojekte können diese Verluste sichtbar machen, sie jedoch nicht rückgängig machen.

Schlossbergstollen: Zwangsarbeit hinter heutigen Grazer Attraktionen

Auch im Grazer Schloßberg sind bis heute Spuren der nationalsozialistischen Zwangsarbeit erhalten. Ab 1943 wurde ein weitverzweigtes Luftschutzsystem in den Berg getrieben, an dessen Bau neben Wehrmachtsangehörigen und zivilen Arbeitskräften auch Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter beteiligt waren. Bis 1945 entstanden rund 6,3 Kilometer lange Stollen mit 20 Eingängen, die offiziell etwa 40.000 Menschen Schutz vor Luftangriffen bieten sollten. Ob sich unter den eingesetzten Arbeitskräften auch jüdische Zwangsarbeiter befanden, ist anhand der öffentlich zugänglichen Quellen nicht eindeutig belegt und sollte daher nicht behauptet werden. Teile des unter großen Entbehrungen errichteten Systems gehören heute selbstverständlich zum Grazer Alltag: Ein Stollen verbindet den Schlossbergplatz mit dem Karmeliterplatz, die Grazer Märchenbahn fährt durch einen Teil der unterirdischen Gänge und der Schlossberglift führt durch den Berg. Der „Dom im Berg“ wurde 1999 und 2000 als moderner Veranstaltungsraum in das historische Stollensystem eingebettet und durch zusätzliche Ausbrucharbeiten erweitert. Die heutige Nutzung für Freizeit, Kultur und Veranstaltungen überlagert damit einen Ort, dessen Entstehung eng mit Krieg, Luftangriffen und Zwangsarbeit verbunden ist.

Jüdische Grazer:innen zwischen Flucht, Deportation und Ermordung

Viele jüdische Familien versuchten nach 1938, Österreich zu verlassen. Wer über Geld, Kontakte, Visa oder Aufnahmezusagen verfügte, hatte zumindest eine Chance auf Flucht. Andere scheiterten an geschlossenen Grenzen, bürokratischen Hürden oder der rasch fortschreitenden Entrechtung.

Häuser, Wohnungen, Betriebe und persönliche Besitztümer wurden beschlagnahmt oder im Zuge sogenannter „Arisierungen“ weit unter ihrem Wert übertragen. Hinter diesen abstrakten Begriffen standen konkrete Profiteur:innen, Behördenentscheidungen und zerstörte Existenzen.

Ein Teil der vertriebenen Grazer:innen überlebte in Palästina, Großbritannien, den USA, Shanghai und anderen Zufluchtsorten. Andere wurden in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und ermordet. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde lässt sich deshalb nicht allein anhand von Mitgliederzahlen erzählen. Jede Zahl steht für Menschen mit Familien, Berufen, Freundschaften und einem früheren Alltag in der Stadt.

Der Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde nach 1945

Nach der Befreiung kehrten nur einzelne frühere Gemeindemitglieder nach Graz und in die Steiermark zurück. Hinzu kamen jüdische Überlebende, die nach Konzentrations- oder Arbeitslagern vorübergehend in sogenannten DP-Lagern untergebracht waren.

Bereits im Frühjahr 1946 konstituierte sich in Graz wieder eine Israelitische Kultusgemeinde. Ihr neues Zentrum entstand im erhalten gebliebenen früheren Amtshaus neben dem zerstörten Synagogenareal. Dort wurde zunächst ein provisorischer Betsaal eingerichtet.

Der Wiederaufbau erfolgte unter schwierigen Bedingungen. Die Zahl der zurückgekehrten Menschen war gering, viele ehemalige Grazer:innen hatten andernorts ein neues Leben begonnen. Hinzu kamen fehlendes gesellschaftliches Interesse, schleppende Restitutionen und ein über Jahrzehnte zurückhaltender Umgang mit der lokalen Verantwortung während der NS-Zeit.

Das Beth HaMidrasch als kleiner Betsaal

1969 wurde im Gemeindehaus ein neuer Betsaal mit festem Toraschrein eingerichtet. Dieses Beth HaMidrasch – übersetzt etwa „Haus des Lernens“ – diente über Jahrzehnte als religiöses Zentrum.

Der Raum wurde später renoviert und wird weiterhin für Gebete, religiöse Vorträge und kleinere Zusammenkünfte genutzt. Seine traditionelle Gestaltung unterscheidet ihn vom großen Zentralraum der neuen Synagoge.

Die neue Grazer Synagoge am David-Herzog-Platz

Vom Gedenkstein zum Wiederaufbau

1988 wurden am Standort der zerstörten Synagoge erhalten gebliebene Grundmauern freigelegt. In ihrer Mitte wurde ein rund sieben Tonnen schwerer Granitmonolith als Gedenkstein aufgestellt. Der damalige Synagogenplatz wurde damit erstmals wieder deutlich als historischer Ort markiert.

Am 21. Oktober 1998 beschlossen alle im Grazer Gemeinderat vertretenen Parteien einstimmig den Wiederaufbau einer Synagoge. Die Planung übernahmen Ingrid und Jörg Mayr. Die neue Synagoge wurde am 9. November 2000 – genau 62 Jahre nach ihrer Zerstörung – feierlich an die jüdische Gemeinde übergeben.

Architektur zwischen Erinnerung und Neubeginn

Die neue Synagoge verbindet Ziegel, Stahlbeton und Glas. Würfel und Kugel prägen den zentralen Gebetsraum und das äußere Erscheinungsbild. Die transparente Kuppel lässt Licht in den Innenraum und macht das Gebäude zu einem markanten Orientierungspunkt am rechten Murufer.

Für den Neubau wurden rund 9.600 Ziegel der zerstörten Synagoge wiederverwendet. Schüler:innen mehrerer Grazer Schulen reinigten die alten Ziegel. Das Material stellt damit eine direkte Verbindung zwischen dem zerstörten Gotteshaus und dem Neubau her.

Auch der 1988 errichtete Gedenkstein wurde in die Architektur integriert. Er befindet sich unterhalb der gläsernen Bima, dem erhöhten Platz, von dem aus in der Synagoge aus der Tora gelesen wird. Erinnerung ist dadurch kein vom Gemeindeleben getrennter Bereich, sondern Bestandteil des Gebäudes.

Synagogenführungen in Graz

Die Jüdische Gemeinde bietet unter dem Titel „Synagoge erLeben“ Führungen für Erwachsene, Schulen, Studierende, Bildungseinrichtungen und Religionsgemeinschaften an. Vermittelt werden die Geschichte der Gemeinde, die Architektur des Gebäudes, die Funktion einer Synagoge sowie jüdische Bräuche und religiöse Gegenstände.

Für 2026 werden regelmäßig öffentliche Monatsführungen angeboten. Darüber hinaus können Gruppen eigene Termine vereinbaren. Da Termine, Kosten, Gruppengrößen und Sicherheitsvorgaben geändert werden können, ist eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich.

  • Jüdische Gemeinde und Synagoge: David-Herzog-Platz 1, 8020 Graz, Telefon 0316 71 24 68, E-Mail office@juedischegemeindegraz.at.
  • Besuch und Gottesdienste: Führungen sowie eine Teilnahme an religiösen Veranstaltungen sollten ausschließlich nach aktueller Terminprüfung und Voranmeldung geplant werden.

Für den Zutritt können ein Lichtbildausweis und Sicherheitskontrollen erforderlich sein. Besucher:innen sollten dafür ausreichend Zeit einplanen und den Anweisungen der Gemeinde folgen. Konkrete Sicherheitsabläufe gehören nicht in einen öffentlichen Reiseführer.

Der jüdische Friedhof in Graz-Wetzelsdorf

Der jüdische Friedhof befindet sich an der Wetzelsdorfer Straße 33. Er wurde 1864 angelegt und 1901 erweitert. Das rund 14.000 Quadratmeter große Areal umfasst etwa 1.500 Gräber und gehört zu den wichtigsten erhaltenen Zeugnissen jüdischer Geschichte in der Stadt.

Vor der Anlage des Friedhofs mussten Verstorbene der damals noch kleinen Grazer Gemeinde bis zum nächstgelegenen jüdischen Friedhof nach Güssing gebracht werden. Der eigene Friedhof war daher eine wesentliche Voraussetzung für ein dauerhaftes Gemeindeleben.

Zerstörung der Zeremonienhalle

Die 1910 errichtete Zeremonienhalle wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft zerstört. In den 1950er-Jahren entstand zunächst ein provisorischer Ersatz. 1990 und 1991 errichtete die Stadt Graz eine neue Zeremonienhalle und übergab sie der Kultusgemeinde.

In der Halle werden auch drei Fragmente mittelalterlicher jüdischer Grabsteine verwahrt. Sie wurden 1950 bei Fundamentarbeiten für das Amtsgebäude der Grazer Burg in der Hofgasse entdeckt und gehören zu den wenigen materiellen Zeugnissen der mittelalterlichen jüdischen Bevölkerung.

Umfassende Sanierung bis 2022

Von 2014 bis 2022 wurde der Friedhof in mehreren Etappen umfassend saniert. Rund 1,1 Millionen Euro aus dem Fonds zur Instandsetzung jüdischer Friedhöfe wurden unter anderem für Einfriedungsmauern, Grabsteine, Zeremonienhalle und Friedhofswärterhaus eingesetzt.

Alle Grabsteine wurden neu vermessen und in einer Datenbank erfasst. Auch ein großer Teil der historischen Alleebäume konnte erhalten werden. Am 12. Juli 2022 wurde die Anlage nach Abschluss der Arbeiten wieder zur laufenden Pflege übergeben.

Kann der jüdische Friedhof besucht werden?

Der jüdische Friedhof ist aus Sicherheitsgründen nicht frei öffentlich zugänglich. Mehrmals im Jahr finden Schwerpunktführungen statt. Besichtigungen sind außerdem im Rahmen von Bildungsprogrammen der Jüdischen Gemeinde möglich.

Die früher auf ikv-graz.at veröffentlichten täglichen Schlüssel- und Besuchsregelungen sollten nicht als aktuell übernommen werden. Interessierte müssen den Zugang und die geltenden Vorschriften unmittelbar mit der Gemeinde abstimmen. An Schabbat und jüdischen Feiertagen finden üblicherweise keine Besichtigungen statt.

Stolpersteine in Graz erinnern an persönliche Schicksale

Stolpersteine sind kleine Messingtafeln im Gehsteig. Sie werden vor früheren Wohnhäusern, Arbeitsstätten oder anderen biografisch bedeutenden Orten verlegt. Name, Geburtsjahr und Verfolgungsschicksal erinnern daran, dass die Opfer des Nationalsozialismus Nachbar:innen und Teil des alltäglichen Stadtlebens waren.

In Graz werden Stolpersteine seit 2013 verlegt. Die öffentlich zugängliche Datenbank des Vereins für Gedenkkultur ermöglicht eine Suche nach Namen, Adressen, Bezirken, Opfergruppen und Verlegejahren.

Mit Stand Juli 2026 weist die Grazer Datenbank mehr als 300 Einträge aus. Der größte Teil ist jüdischen Opfern gewidmet. Weitere Steine erinnern unter anderem an Widerstandskämpfer:innen, Roma, homosexuelle Opfer, Zeug:innen Jehovas und Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde.

Mehr als Namen auf Messingtafeln

Die besondere Bedeutung der Stolpersteine liegt in den dahinterstehenden Biografien. Viele Einträge dokumentieren frühere Berufe, Familienverhältnisse, Fluchtwege, Deportationsorte und das weitere Schicksal.

Ein Stein kann von einer geglückten Flucht nach Palästina, Shanghai oder Großbritannien erzählen. Ein anderer erinnert an eine Deportation nach Auschwitz, Theresienstadt oder in ein anderes Lager. Manche Familien wurden über mehrere Kontinente verstreut, andere fast vollständig ermordet.

Damit entsteht im Stadtgebiet ein dezentrales Mahnmal. Erinnerung ist nicht auf einen einzigen historischen Ort beschränkt, sondern begegnet im Alltag – vor Wohnhäusern, Geschäften, Schulen und auf häufig benutzten Wegen.

Der David-Herzog-Platz als jüdischer Erinnerungsort

Der David-Herzog-Platz umfasst mehr als das Gebäude der heutigen Synagoge. Alte Grundmauern, der Gedenkstein von 1988, die wiederverwendeten Ziegel und neue Kunstwerke verbinden mehrere Phasen der Geschichte.

Der Ort erinnert an die zerstörte Gemeinde, ist zugleich aber wieder ein Platz für Gebet, Kultur, Bildung und Begegnung. Gerade diese Verbindung unterscheidet ihn von einer ausschließlich musealen Gedenkstätte.

„Der Feuerwehrmann“ erinnert an das Wegsehen

Seit dem 7. November 2023 steht gegenüber der Synagoge eine nur 44 Zentimeter große Bronzefigur. Das Kunstwerk „Der Feuerwehrmann“ von Peter Roskaric befindet sich auf einem Verkehrsmasten und kann im Vorbeigehen leicht übersehen werden.

Die Figur erinnert an die Rolle der Feuerwehr während des Novemberpogroms. Die Einsatzkräfte beobachteten den Brand der Synagoge und schützten lediglich umliegende Gebäude. Das Kunstwerk thematisiert damit nicht nur offene Gewalt, sondern auch Passivität, Wegsehen und die Verantwortung von Institutionen und Einzelpersonen.

Der „Lauftext“ folgt dem Leidensweg David Herzogs

Ein weiteres Mahnmal befindet sich entlang der Strecke von der Radetzkystraße 8 bis zum Griesplatz. Die Künstlerin Catrin Bolt brachte dort 2013 Auszüge aus David Herzogs Bericht über seine Misshandlung während des Novemberpogroms als fortlaufenden Text auf den Gehsteigen an.

Passant:innen bewegen sich damit auf jenem Weg, den Herzog unter Gewaltandrohung zurücklegen musste. Der „Lauftext“ wurde nach Bauarbeiten mehrfach instand gesetzt und als permanentes Erinnerungsprojekt erhalten.

Das „Haus der Namen“ in Graz

Im Untergeschoß der Synagoge wurde im November 2015 ein Holocaust- und Toleranzzentrum eröffnet. Das als „Haus der Namen“ bekannte Projekt sollte an verfolgte und ermordete jüdische Menschen aus Graz und der Steiermark erinnern und zugleich Bildungsarbeit ermöglichen.

Die dortige Ausstellung wurde jedoch bereits im April 2017 aus Sicherheits- und praktischen Gründen entfernt. Das „Haus der Namen“ sollte daher nicht ohne aktuelle Bestätigung als regulär zugängliches Museum oder bestehende Dauerausstellung angekündigt werden. Seine historische Entstehung und die dahinterstehende Erinnerungsarbeit bleiben dennoch Teil der Entwicklung des Synagogen- und Gemeindezentrums.

Das Lager Liebenau und die Todesmärsche durch Graz

Das Lager Liebenau befand sich auf dem Liebenauer Grünanger. Teile des ehemaligen Areals liegen heute im Maria-Cäsar-Park. Der 1940 als „Umsiedlerlager V“ errichtete Komplex entwickelte sich zum größten Zwangsarbeiterlager im Grazer Stadtgebiet.

Zu den größten dort untergebrachten Gruppen gehörten sowjetische Zwangsarbeiter:innen. Sie mussten unter anderem im auf der anderen Seite der Mur gelegenen „Puchwerk I“ arbeiten. Ein eigener Steg verband das Lager mit dem Industriebetrieb.

Ungarische Jüdinnen und Juden im Lager Liebenau

Im April 1945 wurde das Lager zur Zwischenstation für ungarische Jüdinnen und Juden, die auf Evakuierungs- und Todesmärschen vom sogenannten „Südostwall“ in Richtung KZ Mauthausen getrieben wurden.

Im Lager mussten die Menschen im Freien schlafen. Sie erhielten zu wenig Nahrung und keine ausreichende medizinische Versorgung. Mindestens 34 Personen wurden erschossen und in Massengräbern verscharrt.

Die Opfer waren bereits durch Zwangsarbeit, Hunger, Krankheit und die Märsche schwer geschwächt. Wer nicht mehr weitergehen konnte, war in unmittelbarer Lebensgefahr. Das Lager Liebenau wurde damit in den letzten Kriegstagen zum Schauplatz nationalsozialistischer Endphaseverbrechen.

Der Liebenauer Prozess von 1947

Nach Kriegsende standen vier frühere Mitglieder des Lagerpersonals vor einem britischen Militärgericht. Die Anklage umfasste unter anderem Misshandlungen, Nahrungsentzug, verweigerte medizinische Hilfe und Mord.

Am 12. September 1947 wurden zwei Todesurteile ausgesprochen. Ein Angeklagter erhielt eine dreijährige Haftstrafe, ein weiterer wurde freigesprochen. Danach verschwand das Lager für Jahrzehnte weitgehend aus der öffentlichen Erinnerung. Teile der Baracken wurden als Unterkünfte verwendet, später entstand auf dem Areal eine Siedlung.

Heute erinnern eine Tafel, ein digitaler Rundgang, erhaltene bauliche Spuren und Forschungsprojekte an das Lager und seine Opfer.

War das Lager Liebenau ein KZ-Außenlager?

Das Lager Liebenau wird häufig irrtümlich als Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen bezeichnet. Es war jedoch ein eigenständiges Zwangsarbeiter- und Durchgangslager. Seine Verbindung zu Mauthausen entstand vor allem dadurch, dass es 1945 als Zwischenstation auf den Todesmärschen in Richtung des Konzentrationslagers diente.

In der offiziellen Übersicht der Mauthausen-Außenlager wird Graz-Liebenau nicht als Außenlager geführt. Sehr wohl bestanden in der Steiermark Außenlager in Peggau und Leibnitz. Diese historische Unterscheidung ist wichtig, ohne das im Lager Liebenau begangene Unrecht zu relativieren.

KZ-Außenlager im Grazer Umfeld

Das KZ-Außenlager Peggau

In Peggau nördlich von Graz bestand von August 1944 bis Anfang April 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Mehr als 1.400 Menschen waren dort inhaftiert.

Die Häftlinge mussten für die Steyr-Daimler-Puch AG eine unterirdische Rüstungsfabrik errichten. Hunger, Gewalt, Krankheiten und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen bestimmten ihren Alltag.

Das KZ-Außenlager Leibnitz bei Aflenz

Auch im Raum Leibnitz bestand ein Mauthausen-Außenlager. In den Stollen bei Aflenz an der Sulm mussten KZ-Häftlinge unterirdische Produktionsanlagen für die Rüstungsindustrie errichten und betreiben.

Die Steyr-Daimler-Puch AG setzte KZ-Häftlinge sowohl in Peggau als auch in Leibnitz ein. Beide Lager gehören zur Geschichte der Grazer Rüstungsindustrie, lagen jedoch außerhalb des heutigen Grazer Stadtgebiets.

Jüdische Persönlichkeiten mit Verbindung zu Graz

Samuel Mühsam

Samuel Mühsam war von 1877 bis 1907 Rabbiner der Grazer Gemeinde. Sein Einsatz für den Bau der alten Synagoge machte ihn zu einer prägenden Persönlichkeit der religiösen und institutionellen Entwicklung im späten 19. Jahrhundert.

Seine Predigten beschäftigen sich mit jüdischen Feiertagen, ethischen Fragen und besonderen Ereignissen des Gemeindelebens. Sie dokumentieren eine Zeit, in der sich jüdische Bürger:innen gesellschaftlich etablierten, gleichzeitig aber weiterhin mit Antisemitismus konfrontiert waren.

David Herzog

David Herzog wurde 1869 geboren und wirkte als Rabbiner, Wissenschafter und Universitätslehrer. Sein Name ist heute eng mit der Erinnerung an die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im November 1938 verbunden.

Der David-Herzog-Platz, der „Lauftext“ und der universitäre David-Herzog-Fonds erinnern an sein Leben und sein wissenschaftliches Wirken.

Otto Loewi

Der Pharmakologe Otto Loewi wirkte viele Jahre in Graz und erhielt 1936 gemeinsam mit Henry Dale den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Seine Forschungen zur chemischen Übertragung von Nervenimpulsen wurden zu einem Meilenstein der Medizin.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Loewi festgenommen und zur Ausreise gezwungen. Sein Schicksal steht stellvertretend für den Verlust, den die Vertreibung jüdischer und politisch unerwünschter Wissenschafter:innen für die Grazer Hochschulen bedeutete.

Weitere bekannte Namen

Mit Graz verbunden waren außerdem Kunstschaffende, Unternehmer:innen und Filmschaffende wie Oskar Stössel, Ludwig Stössel, Ingo Preminger und Otto Preminger. Auch Hermann Öhler, Mitbegründer von Kastner & Öhler, wurde auf dem jüdischen Friedhof in Graz beigesetzt.

Die Beschäftigung mit diesen Persönlichkeiten zeigt, wie vielfältig jüdische Beiträge zur Grazer Wirtschafts-, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte waren.

Jüdisches Graz bei Rundgängen entdecken

IWalk „Jüdisches Leben in Graz vor 1938“

Seit 2026 steht ein kostenloser, app-basierter IWalk über jüdisches Leben in Graz vor 1938 zur Verfügung. Der etwa einstündige Rundgang führt durch Gries und kann direkt vor Ort, im Unterricht oder von zu Hause aus absolviert werden.

Zeitzeug:innen-Interviews, historische Fotografien und bestehende Erinnerungszeichen vermitteln Einblicke in Schule, Sport, Vereinsleben, Religion, Kulinarik, Identität und Antisemitismus. Das Angebot richtet sich besonders an Schüler:innen ab der achten Schulstufe, ist aber auch für interessierte Erwachsene geeignet.

Ein Rundgang von der Innenstadt zur Synagoge

Ein Spaziergang auf den Spuren des mittelalterlichen und neuzeitlichen jüdischen Graz kann im Bereich Herrengasse und Frauengasse beginnen. Von dort führt der Weg durch die Innenstadt in Richtung Gries und weiter zum David-Herzog-Platz.

Bei der Synagoge treffen mehrere Zeitebenen zusammen: der Ort des 1892 eröffneten Gotteshauses, die Grundmauern und Ziegel des zerstörten Gebäudes, der Gedenkstein von 1988, die neue Synagoge und aktuelle Kunstwerke gegen das Vergessen.

Vom „Lauftext“ zum Lager Liebenau

Eine weitere Route kann an David Herzogs früherer Wohnung in der Radetzkystraße 8 beginnen und dem „Lauftext“ bis zum Griesplatz folgen. Danach bietet sich eine Weiterfahrt zum Maria-Cäsar-Park und zum ehemaligen Lagerareal in Liebenau an.

Für eine ernsthafte Auseinandersetzung sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Gerade das Lager Liebenau erschließt sich besser mit dem digitalen Rundgang und den historischen Hintergrundinformationen der Stadt.

Bücher über jüdisches Leben in Graz

Mehrere Bücher ermöglichen eine vertiefende Beschäftigung mit der Geschichte der Gemeinde. „Samuel Mühsam: Ausgewählte Predigten“, herausgegeben von Luka Girardi, dokumentiert das religiöse und ethische Denken des langjährigen Grazer Rabbiners.

In „Die lange Nacht der gelben Sterne – Bertls Tagebuch“ zeichnet Ruth Kaufmann die Lebensgeschichte ihres Vaters nach, der als Grazer jüdisches Kind Verfolgung und Flucht überlebte.

Der Band „Bruchstücke – Jüdische Friedhöfe in der Steiermark“ verbindet historische Informationen über die Friedhöfe in Graz und weiteren steirischen Orten mit Texten und künstlerischen Arbeiten.

Wolfgang Sotills Buch „Es gibt nur einen Gott und eine Menschheit“ widmet sich jüdischen Bürger:innen, Religion und Geschichte in Graz. Eine weitere wichtige ältere Grundlage ist die anlässlich des Gedenkjahres 1988 erschienene „Geschichte der Juden in Südost-Österreich“.

Wissenschaftliche und pädagogische Informationen bieten außerdem das Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz, das Graz Museum, ERINNERN:AT, der Verein für Gedenkkultur, CLIO, die Stadt Graz und die Jüdische Gemeinde.

Häufige Fragen

Ja. Die Jüdische Gemeinde Graz unterhält die Synagoge und das Gemeindezentrum am David-Herzog-Platz. Zu ihren Aufgaben gehören religiöses Gemeindeleben, Kulturvermittlung, Bildungsarbeit, Führungen und Veranstaltungen.

Die Synagoge befindet sich am David-Herzog-Platz 1 am rechten Murufer, unmittelbar bei der Augartenbrücke.

Ja. Die Gemeinde bietet öffentliche Monatsführungen und vereinbarte Gruppenführungen an. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Aktuelle Termine und Zugangsbedingungen sollten unmittelbar vor dem Besuch geprüft werden.

Die Gemeinde veröffentlicht derzeit keine allgemein und dauerhaft gültigen Gebetszeiten für unangemeldete Besucher:innen. Eine Teilnahme an Gottesdiensten oder Feiertagen sollte vorab mit dem Gemeindebüro vereinbart werden.

Die alte Synagoge wurde zwischen 1890 und 1892 nach Plänen des Architekten Maximilian Katscher errichtet.

Die Synagoge wurde während des Novemberpogroms am 9. November 1938 in Brand gesetzt und anschließend zerstört.

Die neue Grazer Synagoge wurde am 9. November 2000 an die jüdische Gemeinde übergeben.

Stolpersteine befinden sich in zahlreichen Bezirken, darunter Innere Stadt, Gries, Lend, Geidorf, Jakomini, St. Leonhard, Eggenberg und Wetzelsdorf. Eine digitale Datenbank ermöglicht die Suche nach Namen, Adressen und Bezirken.

Der Friedhof ist nicht frei öffentlich zugänglich. Besuche sind im Rahmen angekündigter Führungen oder nach Vereinbarung mit der Jüdischen Gemeinde möglich.

Das Lager Liebenau war das größte Zwangsarbeiterlager im Grazer Stadtgebiet. Im April 1945 wurde es zu einer Zwischenstation auf den Todesmärschen ungarischer Jüdinnen und Juden in Richtung Mauthausen. Mindestens 34 Menschen wurden dort erschossen.

Nein. Es war kein offizielles Außenlager des KZ Mauthausen, sondern ein Zwangsarbeiter- und Durchgangslager. Tatsächliche Mauthausen-Außenlager im Grazer Umfeld bestanden unter anderem in Peggau und Leibnitz.

Das „Haus der Namen“ war ein 2015 eröffnetes Holocaust- und Toleranzzentrum im Untergeschoß der Synagoge. Die dortige Ausstellung wurde 2017 entfernt. Eine aktuelle öffentliche Zugänglichkeit sollte daher nicht vorausgesetzt werden.

Jüdisches Leben als Teil der Grazer Gegenwart

Jüdische Geschichte in Graz ist von Brüchen geprägt. Mittelalterliche Gemeinden wurden vertrieben, das im 19. Jahrhundert neu entstandene Gemeindeleben wurde während des Nationalsozialismus beinahe vollständig vernichtet. Nach 1945 entstand unter schwierigen Bedingungen erneut eine jüdische Gemeinde.

Die heutige Synagoge macht diese Geschichte sichtbar, ist aber vor allem ein lebendiges Gotteshaus. Führungen, Kulturprojekte, Bildungsangebote und wissenschaftliche Initiativen zeigen, dass jüdisches Leben nicht ausschließlich Gegenstand der Vergangenheit ist.

Gleichzeitig erinnern Stolpersteine, Friedhof, „Lauftext“, „Feuerwehrmann“ und Lager Liebenau daran, dass Verfolgung nicht anonym geschah. Sie fand in Wohnhäusern, Betrieben, Behörden, Schulen, auf Straßen und vor den Augen der Bevölkerung statt.

Die Beschäftigung mit jüdischem Leben in Graz bedeutet deshalb beides: die jahrhundertelange kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt wahrzunehmen und Verantwortung für die Erinnerung an Vertreibung, Raub und Ermordung zu übernehmen.

Stand der praktischen Informationen: Juli 2026. Termine, Kontaktdaten, Besuchsmöglichkeiten und Sicherheitsbestimmungen können sich ändern und sollten vor einem geplanten Besuch direkt bei der Jüdischen Gemeinde geprüft werden.